Wahr, rein und einfach: Vom Christentum, das vor 200 Jahren wiederhergestellt wurde

    Ein Heiliger der Letzten Tage aus der Steiermark gibt Zeugnis von der Wiederherstellung der Kirche 

    Der Autor dieses Beitrags, Bruder Tschiesche lebt mit seiner Frau Roswitha in der Weststeiermark Tschiesche
    Der Autor dieses Beitrags, Bruder Tschiesche lebt mit seiner Frau Roswitha in der Weststeiermark

    Stephan Tschiesche, Gemeinde Graz

     

    „Das wahre, reine und einfache Evangelium Jesu Christi“ – Präsident M. Russell Ballard hat dies als Thema für seine Botschaft während der Frühjahrsgeneralkonferenz im April 2019 gewählt. Es ist für mich bezeichnend, dass ein Priestertumsführer seines Ranges (er ist als amtierender Präsident des Kollegiums der Zwölf berufen) das Evangelium Jesu Christi in seiner Wahrheit, Reinheit und Einfachheit in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellt. 

    Präsident Ballard erwähnt zu Beginn einige Ereignisse aus seinem eigenen Leben – beginnend mit einer Mission in England, der Familiengründung und Berufung als Missionspräsident in Kanada, seiner Berufung ins Erste Kollegium der Siebzig und schließlich als Apostel des Herrn Jesus Christus. In Verbindung mit dem Titel seiner Botschaft wird klar, dass es diese wahren, reinen und einfachen Prinzipien des Evangeliums waren und sind, die ihn in seinem Leben und speziell dem Dienst in der Kirche begleitet und angeleitet haben.

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    Was hat es mit dem wahren, reinen und einfachen Evangelium Jesu Christi auf sich? 

    Ist es nicht so, dass wir auf unserem Lebensweg immer wieder den unterschiedlichsten “Evangelien” begegnen? “Frohen Botschaften” aller Art, Herkunft und Absicht. Es sind dies die Stimmen, die uns für die eine und andere Sache begeistern wollen – und in den meisten Fällen haben wir gelernt, diese Stimmen zu unterscheiden und angemessen damit umzugehen. 

    Auch im christlich-religiösen Bereich gibt es viele verschiedene Stimmen, die alle eine Form von “Evangelium” predigen und auf ihre Weise verkünden. Dafür Beispiele zu nennen wäre unangebracht; hat doch jeder die Erfahrung gemacht, dass wir Menschen leicht dazu neigen, unsere eigene “Evangeliumswelt” zu begründen und uns darin einzurichten.

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    Der Heilige Hain, in dem Gott Vater und seine Sohn Jesus Christus dem 14jährigen Joseph Smith erschienen sind.
    Die Kirche gedenkt im Jahr 2020 der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi durch Joseph Smith vor 200 Jahren.

    Ich finde mich gelegentlich in einer Gesprächssituation wieder, in der ich mit einer solchen, persönlichen Glaubensansicht konfrontiert werde. Ja, selbstverständlich gestehe ich jedem zu, diese, seine Überzeugung zu haben, zu leben, weiterzugeben (Glaubensartikel 1:11). Vieles daran ist oft wertvoll und gültig und für mich als Christ annehmbar. 

    Unabhängig davon und darüber hinaus beanspruche ich die Teilhabe an diesem besonderen, einzigartigen, unaustauschbaren Evangelium des Herrn Jesus Christus, um das es hier geht. Es ist das Evangelium des Herrn; seines und kein anderes, das mir vor Augen steht, dem nachzufolgen ich mich bemühe. Es ist das Evangelium des Planes der Erlösung; das Evangelium vor allem der Liebe, der Christusliebe; wie auch aller anderen göttlichen Eigenschaften (2. Petrus 1:5-8).

    Es ist jenes Evangelium, das wiederhergestellt werden musste, da es über die Jahrhunderte hinweg in seiner Wahrheit, Reinheit und Einfachheit völlig verlorengegangen war: Es ist das wiederhergestellte Evangelium des Erlösers; so, wie er es dem ersten Menschen Adam und seiner Frau mit auf den Weg in die Sterblichkeit gegeben hat. Der es im Laufe der Menschheitsgeschichte den Suchenden mehrmals wiedergebracht und in der Mitte der Zeiten selbst als sterblicher Mensch verkörpert hat! 

    Ja, es ist das wahre, reine und einfache Evangelium unseres Gottes, das er auf wahrlich wunderbare Weise und in Weisheit, Voraussicht, Macht und Güte durch seinen Propheten in den Letzten Tagen, dem Sohn eines einfachen Farmers aus Upstate New York mit dem Allerweltsnamen Joseph Smith, wiedergebracht hat. 

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    Weil Gott nicht Gott sein könnte, wäre er parteiisch oder ein Anseher der Person, weil er jedes seiner Kinder immer gleich liebt, muss diese seine Frohe Botschaft und alles, was an ihr für die Erlösung des einzelnen notwendig ist, von allen seinen Kindern verstanden und gelebt werden können. Mit Ausnahme der Zahl derer, die nicht selbstverantwortlich sind, muss vom Gelehrten und Wissenschaftler, vom Weltbürger und Weisen, über den Mann an der Maschine und am Pflug, über die Frau im Dienstleistungsbetrieb, am Fließband, im Krankenhaus, über Vater und Mutter, hin zur allereinfachsten Seele unter den Menschenkindern jeder dieses Evangelium verstehen und in seinem Bereich leben und realisieren können!


    In der Besinnung auf das Wahre, Reine, Einfache finde ich, wie ich hoffe, meinen Weg durch den Irrgarten menschlicher, irdischer Erfahrung. Auf nichts weniger erhebe ich Anspruch – auf nichts davon möchte ich verzichten.


    Und das ist auch so: Was wahr ist, ist wahr und findet die Zustimmung und Bestätigung dessen, der der Erde und allem, was darin ist, sein Gesetz gegeben hat. Die Wahrheit trägt ihre Rechtfertigung in sich; sie ist der Kern alles Existierenden.

    Das Evangelium Jesu Christi verzichtet in seiner Reinheit auf alles Modische, auf jegliche Übertreibung, auf alle Versuche und Bestrebungen, es an unsere jeweilige Befindlichkeit anzupassen. Es drängt nicht, versucht nicht zu manipulieren, sondern zu überzeugen. Es verzichtet auf jegliche ungerechte Ausübung von Herrschaft und Gewalt (LuB 121:141). Es steht jedem offen, ohne Geld und Kaufpreis aus der Quelle reinen und lebendigen Wassers zu trinken (Jes 55:1, Joh 4:14) und den Trost und Frieden zu erfahren, der der Gewissheit eigen ist, zumindest im Bemühen im Einklang mit dem Willen des Allmächtigen zu sein.

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    Nicht zuletzt ist dieses wahre, reine und einfache Evangelium Christi das Evangelium der erlösenden Verordnungen; und dies nicht nur für einen kleinen Kreis Auserwählter, sondern für die gesamte menschliche Familie. Auf der Grundlage des unbegrenzten Sühnopfers des Sohnes Gottes und der die Generationen verbindenden Erlösungsarbeit in den Tempeln der Kirche wird das Anrecht, die Früchte von Umkehr und Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes zu genießen, jedem Menschen zuteil, der sich einst dafür entschieden hat, den Plan der Erlösung für sich in Anspruch zu nehmen.

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    Von all den vielen “Evangelien”, die auf der Erde gepredigt werden, ist dies das Evangelium, das ich als das meine betrachte, dem ich anhänge, dessen Inhalte und Ziele ich verfolge. Mit seinen ewigen Prinzipien, seiner Lehre und den Lebensregeln, wie sie auf unser Glücklichsein ausgerichtet sind; mit seinen Verpflichtungen, den vielfältigen Möglichkeiten des Dienens, seinen Bündnissen und seinen Verheißungen. In der Besinnung auf das Wahre, Reine, Einfache finde ich, wie ich hoffe, meinen Weg durch den Irrgarten menschlicher, irdischer Erfahrung. Auf nichts weniger erhebe ich Anspruch – auf nichts davon möchte ich verzichten. 

    Mein Dank und meine Verehrung gelten dem Herrn Jesus Christus, der mir – wie allen Menschen – durch sein großes und unbegrenztes Opfer die Aussicht auf Vervollkommnung und Vollkommenheit freigemacht hat; der mich vor Jahren durch das Zeugnis von Vollzeitmissionaren in seinen Dienst gerufen, mir eine Familie und die Möglichkeit der Mitarbeit im Weinberg des Herrn gegeben hat; dessen Wort mir Licht auf meinem Weg gibt (Psalm 119:105); meinem Vorbild und Maßstab in allem.