Nachdem ich Nächstenliebe gelernt hatte, war ich bereit für meine Mission

'Der Herr kann in unserer Seele Wunder bewirken' (Peter Mayrl, Gemeinde Wien 5)

Der Priestertumsdienst in der Kirche erfordert sowohl äußere als auch innere Reinheit. Manchmal trüben negative Gefühle unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen. Als sich Bruder Mayrl auf eine Mission vorbereitete, half der Herr ihm, alte Hassgefühle aufzulösen.
Der Priestertumsdienst in der Kirche erfordert sowohl äußere als auch innere Reinheit. Manchmal trüben negative Gefühle unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen. Als sich Bruder Mayrl auf eine Mission vorbereitete, half der Herr ihm, alte Hassgefühle aufzulösen.

von Peter Mayrl, Gemeinde Wien 5

 

Meine Taufe war die wichtigste Bereicherung meines Lebens. Die Liebe unseres Vaters im Himmel und den Sinn unseres Erdenlebens zu erkennen, erfüllten mich mit inniger Dankbarkeit. Ich bekam auch einige herausfordernde Berufungen, die zwar Opfer erforderten, mir aber auch viel Freude bereiteten. Zu diesem Zeitpunkt war es das, was der Herr von mir erwartet hat.

Eines Tages fragte mich mein Gemeindepräsident Br. Mika, ob ich eine Mission erfüllen wolle. Zu dieser Zeit hatten wir eine sehr schwierige Situation in der Familie zu bewältigen. Ich schilderte ihm meine Lage und er meinte, ich machte im Rahmen meiner Berufungen viel für den Herrn – das sei genug. Dazu muss ich ehrlich eingestehen – der Gedanke auf Mission zu gehen gefiel mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht und ich war eigentlich froh eine Begründung zu haben dies nicht zu tun.

Kurz darauf verbesserte sich die Situation in meiner Familie. Ein Familienmitglied, das viel Böses angerichtet hatte, erhielt die Diagnose Diabetes und wurde medizinisch behandelt. Mit der Genesung änderte sich das Verhalten dieser Person diametral, sodass sie sich sogar in unserer Kirche taufen ließ. Ich freute mich natürlich über diese Entwicklung und stand nun vor der Aufgabe, ihr voll und ganz zu vergeben. Dies tat ich natürlich, allerdings, wie sich herausstellte, nur oberflächlich. Denn eines Tages fragte gerade diese Person mich um einen Krankensegen.

Missionare sprechen mit einem jungen Mann Intellectual Reserve
Eine Mission zu erfüllen verlangt Umkehr und persönliche Opfer

In diesem Moment fühlte ich den schrecklichen Einfluss von Hass. Der Hass, der sich über Jahre in mir aufgebaut hatte, war zwar für andere nicht mehr erkennbar, jedoch für mich selbst und wohl auch für den Herrn. Ich fühlte, wie sehr dieser Hass in meiner Seele eingebrannt war. Doch ebenso war dort meine Nächstenliebe verankert. Ich weinte drei Tage lang in meinem Herzen und flehte den Herrn um Hilfe an. Nach dieser Zeit fühlte ich, dass der Hass aus meiner Seele genommen war! Ich konnte mich zwar an die schrecklichen Szenen, die ich erlebt hatte, mit dem Verstand erinnern. Aber meine damaligen Gefühle waren wie fortgespült. Mein Herz war frei! Ich spendete also den Segen und dieses Familienmitglied wurde gesund. Ich denke und hoffe, dass ich dadurch die Fähigkeit zu hassen für immer verloren habe!

Wenig später erhielt unser Zweig einen neuen Gemeindepräsidenten, Br. Johann Wondra. An einem Abend hatten wir eine Chorprobe in der Gemeinde. Br. Wondra sah mich sehr ernsthaft an und ersuchte mich, nach der Probe unbedingt zu ihm zu kommen. Ich dachte nach, was er wohl von mir wollte. Eine Berufungsänderung schätzte ich als sehr unwahrscheinlich ein. So sann ich nach, was ich angestellt haben könnte. Aber da fiel mir auch nichts Größeres ein. So kam ich mit sehr gemischten Gefühlen in sein Büro.

Br. Wondra sah mich kurz an und meinte: „Die großen Dinge des Lebens sind mit wenigen Worten gesagt – Präsident Watkins (der Missionspräsident) und ich wissen, der Herr möchte, dass du eine Mission erfüllst!“ Eine Vielzahl von Gedanken „rasten“ durch mein Gehirn. Wenige Tage zuvor hatte mich der oberste Chef meiner Firma ebenso in sein Büro gerufen. „Herr Mayrl“, hatte er gesagt, „wir werden eine neue Abteilung ins Leben rufen – eine Projektabteilung. Der Leiter wird Herr Buchner sein. Er möchte Sie als wichtigsten Mitarbeiter!“

Das war ein traumhaftes Angebot! Herr Buchner war ein erfahrener Konstrukteur, den auch ich sehr schätzte. Außerdem war es für mich gerade Zeit eine Partnerin zu suchen, und ich hatte da eine sehr vielversprechende Freundschaft.

Das waren meine Gedanken. Aber in meinen Gefühlen wusste ich es ganz klar – mein Vater im Himmel hat gesprochen – er möchte, dass ich eine Mission erfülle! Br. Wondra meinte, ich solle mir das in Ruhe überlegen und ihm in einigen Tagen Bescheid geben. Ich atmete tief („sehr tief“) durch und antwortete: „Ich weiß, die Berufung kommt vom Herrn! Da brauche ich nicht länger überlegen! Die Entscheidung ist für mich ganz klar!“ Und so sagte ich sogleich „ja“.

Ich werde mein ganzes Leben dankbar für die Brüder sein, die nach Inspiration getrachtet und mich berufen haben. Und ich fühle auch tiefe Dankbarkeit für alle, die mich unterstützt haben! Meine Mission war nicht nur eine großartige Zeit für mich und war die Basis für die wichtigsten Eigenschaften, die ich im Leben entwickeln konnte, allen voran Nächstenliebe! Außerdem wurde ich nach meiner Rückkehr von Mission auch beruflich sehr gesegnet.

Unser Vater im Himmel liebt uns. Ich habe miterlebt, wie vorsichtig, geduldig, weise und liebevoll er für uns Menschen sorgt und mit uns umgeht. Und weil er weiß, was für uns wertvoll und gut ist, wirken sich manche unserer schwierigen Entscheidungen und Opfer zu unserem größten Segen aus.