Kleidertausch – mit Bedacht und Abstand

Schwestern fanden im Corona-Jahr 2020 einen Weg, den hilfreichen Kleidertauschmarkt im Gemeindehaus Innsbruck dennoch durchzuführen

Eine schwere Entscheidung hatten im Corona-Jahr 2020 die Schwestern der Gemeinde Innsbruck zu treffen: Sollten sie den beliebten Kleidertauschmarkt in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses ausfallen lassen oder doch abhalten? Anna Egger
Eine schwere Entscheidung hatten im Corona-Jahr 2020 die Schwestern der Gemeinde Innsbruck zu treffen: Sollten sie den beliebten Kleidertauschmarkt in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses ausfallen lassen oder doch abhalten?

von Michaela Walter, Gemeinde Innsbruck

Unser Tauschmarkt findet zwei Mal im Jahr statt: Kurz nach Ostern und im Herbst nach dem Schulbeginn. Da wir inzwischen schon viele Fans angesammelt haben (wir geben den Termin über Facebook, E-Mail-Verteiler und Flugzettel bekannt) und unsere Mitglieder über den Winter fleißig gesammelt hatten, wollten wir unseren Tauschmarkt im Frühjahr unbedingt abhalten. Auch unter dem Aspekt, dass speziell in der Corona-Zeit Menschen auf dieses Angebot angewiesen sind. Darum haben wir uns auch gleich nach Ende des Lockdowns hingesetzt und geplant. Vieles war schon Routine: So haben wir schon unser Plakat vom Eingang und auch die Hinweisschilder, wo sich welche Warengruppe befindet, auch hatten wir bereits genügend Spenden für die Eröffnung, denn damit die ersten „Kunden“ auch Ewas mitnehmen können, braucht es schon volle Tische. Jedes Mal denken wir, dass es wohl das letzte Mal ist, dass so viel zusammenkommt, aber es ist jedes Mal noch mehr.

Normalerweise bereiten wir alles vor, der Markt findet am Samstag statt, die „Großspenden“ kommen am Freitag und Samstag in der Früh. Über Mittag läuft dann der Markt. Aber die gesetzlichen Sicherheitsvorgaben im Mai und Juni zwangen uns, das bewährte System aufzuweichen. Um die persönlichen Kontakte bzw. das Zusammentreffen von zu vielen Menschen zu verhindern, haben wir mehrere Abgabetermine in der Woche vor dem Markt organisiert. Um größeren Abstand zwischen den Besuchern zu gewährleisten, haben wir die Trennwand vom Kultursaal zur Kapelle geöffnet und so die Marktfläche wesentlich vergrößert. Um die Besucher an den 1-Meter-(Baby-Elefanten-)-Abstand zu erinnern, haben wir ein Raster am Boden aufgeklebt. Alle „Mitarbeiter“ bekamen Face-Sheelds (aus recyceltem Plastik) und wir haben die Öffnungszeiten von 10:00 bis 18:00 ausgeweitet.

Innsbrucker Gemeindehaus, Kultursaal während des Tauschmarktes
Die Tische im Kultursaal wurden entsprechend weit voneinander aufgestellt.

Das Prinzip ist ganz einfach: Man bring mindestens ein Stück als „Zahlungsmittel“ mit und kann dafür so viel mitnehmen „kaufen“ wie man möchte. Diese adaptierte Art eines Flohmarktes hat zwei, sowie wir finden, wesentliche Charaktere: Nächstenliebe gegenüber finanziell Schwächeren und Nachhaltigkeit beide sind große Anliegen von uns. Und darum ist wahrscheinlich auch die Schar der Besucher bunt gemischt: Flüchtlinge aus dem nahen Heim, welche nach einem positiven Bescheid in ihre erste Wohnung ziehen, Studenten, Familien mit Kindern, die Liste lässt sich fortführen.

Ohne die tatkräftige Mithilfe einiger Mitglieder und bis zu sechs Missionaren (Präsident Brown hat uns Unterstützung nach Innsbruck geschickt - vielen Dank dafür), hätten wir das alles nicht geschafft. Aber der Erfolg und die Freude aller überwiegt das Gefühl der Abgeschlagenheit bei Weitem. Wenn ich nur an die Frau aus dem Flüchtlingsheim denke, die für ihre Familie jedes Stück mit Bedacht ausgesucht hat und dann von ihrem Mann abgeholt wurde, weil sie gar nicht alles mit dem Kinderwagen mitnehmen konnte, hat sich jede Mühe gelohnt.

Leider mussten wir den Markt im Herbst 2020 wegen der ansteigenden Coronazahlen absagen. Aber wir haben dieses Mal eine Hilfsorganisation gefunden, die speziell für die kalte Jahreszeit Kleidung für Bedürfte sammelt, diese konnten wir hierbei unterstützen. Für uns steht aber jetzt schon fest: Der nächste Tauschmarkt kommt fix – wir werden Wege finden, denn mit Gottes Hilfe ist alles möglich.