BEKEHRUNGSGESCHICHTE

Gott ist allgegenwärtig, er hat keine Zeitprobleme und seine Liebe bedeutet, sich um uns zu kümmern

Vom Atheisten zum Heiligen der Letzten Tage

Vom Atheisten zum Heiligen der Letzten Tage - Daniele Casella
Auf der Suche nach Gott... Daniele Casella mit 28 und dem Glauben an die Hilfe des Heiligen Geistes

von Daniele Casella, Gemeinde Klagenfurt

 

Ich wurde 1968 in Mailand in einer Familie überzeugter Atheisten geboren. Atheisten denken, es sei ausschließlich eine kulturelle Frage, dass wir kein Paradies hier auf Erden haben, und um es zu beweisen, bemühen sie sich wie Don Quijote, gegen die Windmühlen menschlicher Begrenztheit zu kämpfen. Meine Kindheit – das waren Jahre, in denen der Glaube an den Fortschritt boomte, man dachte, die Menschheit wäre wirklich in der Lage, nach Belieben Wohlstand für alle zu schaffen, unabhängig von Ressourcen und Naturgesetzen. Das volle Vertrauen in die Wissenschaft ermöglichte Spekulationen, dass wir bereits ab dem damals zukünftigen Jahr 2000 bereits so weit sein würden, den Weltraum zu erobern, andere Planeten zu kolonisieren, Krankheit und Alter sowie den Tod zu besiegen. Man sprach von Begegnungen mit außerirdische Kreaturen, Reisen durch die Zeit und die Entdeckung von Antigravitation. Heute wissen wir, dass es nur eine Periode wissenschaftlicher Entwicklung war.

Quälende Fragen

Meine Jugend war geprägt von einem tiefen Gefühl der Frustration, den Enttäuschungen der Welt. Die meisten Italiener waren eingeschworene Katholiken, und ich fühlte mich anders und nicht akzeptiert. Ich war schon immer ein Träumer, sensibel, nervös, ängstlich, unsicher und introvertiert. Ich habe fortwährend Gott verflucht, weil ich als Atheist den Worten keine besondere Bedeutung beigemessen habe. Zu meiner Frustration trugen vor allem mein Grundschullehrer, der Religionslehrer und der Pfarrer bei, die sich über mich lustig machten und mir sagten, dass ich in den Flammen der Hölle brennen würde.

Foto am 18. Geburtstag
Ein Foto am 18. Geburtstag

Mit der Pubertät verschlechterte sich die Situation und ich hatte keine Freunde mehr, isolierte mich und wurde depressiv, bis zum Gedanken an Selbstmord, den ich aber aus Mangel an Mut nie durchgeführt habe. Tatsächlich ist für einen Atheisten der Tod das Schrecklichste überhaupt: Es bedeutet, für immer zu verschwinden. Um weiter zu existieren, hielt ich es sogar für erstrebenswert, eine immerwährende Hölle in Kauf zu nehmen! Es war ein endloser Teufelskreis, in dem ich mich befand, er führte zur Phobie vor dem Tod: Ich konnte es nicht einmal ertragen, einen verstorbenen Verwandten zu sehen, und wenn ich einschlief, fand ich mich im Albtraum wieder, nie wieder aufzuwachen. Es war wie ein Terror, der mich dazu brachte, immer wieder verängstigt aus dem Bett zu springen. Ich schlief erst ein, wenn ich völlig erschöpft, also „todmüde“ war.

In dieser Situation hätte ich gerne um Hilfe gebeten, aber an wen konnte ich mich wenden? An die Lehrer und die Kirche mit ihrem schrecklichen Gott – oder an meine atheistischen Eltern, die mich dazu bringen könnten, die Idee des Verschwindens für immer zu verdauen? Doch es gab auch meine Großmutter. Obwohl sie eine Atheistin und überzeugte Kommunistin war, verfügte sie über einen starken Sinn für Gerechtigkeit und Moral. Sie behauptete, dass Jesus Christus der erste Sozialist in der Geschichte war: er war immer auf der Seite der Armen, Schwachen und Ausgebeuteten; er stellte sich gegen Ausbeuter, Reiche und Mächtige. Meine Großmutter wäre gestorben für ihre Ideale und sie war bereit, auf jeden materiellen Vorteil zu verzichten, um ihre ethischen Grundsätze zu verteidigen, so wie Christus es tat!


Ich nehme es Ihnen nicht übel, wenn Sie meine Geschichte einfallsreich finden, ich verstehe Sie, manchmal lese ich sie selbst noch einmal, weil es so seltsam erscheint, sie gelebt zu haben!


In Venedig mit 26
26-jährig in Venedig

'Gott, ich wende mich an dich...'

So begann ich, mich mit Philosophie und religiösen Kulturen zu befassen und gelangte durch logische Überlegung zur Erkenntnis, dass die Existenz Gottes nicht auszuschließen war. Parallel dazu suchte ich nach Antworten auf Fragen über das Universum, den Ursprung des Lebens, warum wir existieren usw. Wieder ging ich einen Schritt weiter. Ich sagte mir: Wenn Gott existierte, konnte er uns gegenüber nicht bösartig oder gleichgültig sein – oder aber er wäre nicht Gott. Zu diesem Zeitpunkt brauchte ich „nur“ eine Bestätigung für diesen Glauben, konnte aber keine Hilfe von meinen Mitmenschen bekommen. Ich beschloss, Gott zu fragen. Wenn es stimmte, dass wir zu ihm beten können, warum konnte man ihn nicht direkt fragen und die kirchlichen Vermittler überspringen? Sie hatten mich in der Schule unterrichtet: „Frag, und es wird dir gegeben“. Mein erstes Gebet klang wie folgt: „Gott, ich wende mich an dich, um herauszufinden, ob du existierst. Sie sagen, du bist ein gütiger Vater, und ich möchte dich unbedingt kennenlernen, wie ein Waisenkind, das nach seinem Ursprung sucht, bin ich verzweifelt, bitte, hilf mir! Von jetzt an werde ich dich nicht mehr lästern, das verspreche ich dir.“ Die Antwort für mich war ein tiefer Frieden. 

Während der folgenden 25 Jahre ohne Kirche und ohne Taufe betete und meditierte ich viel. Mittlerweile hatte ich keine Angst mehr vor dem Tod, tatsächlich wartete ich darauf und wünschte, Gott zu treffen. Doch begann ich die Verdammnis zu fürchten, die mich wirklich daran hindern würde, ihn zu treffen. So befasste ich mich mit der Bibel und dies bewirkte, dass meine Angst immer mehr von der Liebe zu Gott besiegt wurde. Und Liebe wird früher oder später gegenseitig! Denn wenn Gott alles hat und alles haben kann, warum hätte er den Menschen erschaffen sollen, wenn nicht, um jemandem seine Liebe zu geben, bedingungslos und ohne etwas dafür zu erwarten?

Ich war bereits verheiratet und zweifacher Familienvater, als ich mich dazu entschloss, einen Somasca-Pater aufzusuchen, da mir der Lebensstil von Mönchen Jesus näher schien als der von Priestern. Ich kann Pater Luigi Bassetto meinen spirituellen Vater nennen, er war ein außergewöhnlicher Mensch, der mir Perlen der Weisheit gab, wenige Dinge, einfach und effektiv.

Auf einer Wanderung in den Bergen
Auf einer Wanderung in den Bergen

Erlebnisse mit dem Heiligen Geist

Ich fragte Pater Bassetto, wie ich wissen könne, ob meine Glaubensgefühle richtig seien. Daraufhin sprach er zu mir vom Heiligen Geist, der mir Gefühle von Frieden, Wärme und Freude vermitteln könne, die mir die Richtigkeit meiner Wahl bestätigen würden. Das Gefühl von Schwere weise stattdessen auf Sünde hin, die verlange, dafür Buße zu tun und um Vergebung zu bitten. In all den Jahren meines Lebens in einem christlichen Land hatte ich noch nie von den Wirkungen des Heiligen Geistes reden gehört!

Dann begann eine kurze Lebensphase, in der mich Gesundheitsprobleme plagten. Ich stand vor einer Operation. Bis zu diesem Moment hatte ich immer geglaubt, dass ich Gott nicht mit meinen eigenen Problemen stören sollte, denn andere hätten sicher mehr Recht dazu dies zu tun. Ich lag falsch. Gott ist allgegenwärtig, er hat keine Zeitprobleme und außerdem: Liebe bedeutet, einander nicht zu ignorieren, sondern sich umeinander zu kümmern. Verzweifelt durch die akute Gesundheitskrise, beschloss ich eines Abends, als ich zu Bett ging, zu beten – zum ersten Mal in meinem Leben für mich selbst. Am Morgen hatte ich keinerlei Beschwerden mehr, und dies blieb auch so. Die Ärzte wollten es nicht glauben.

Nach weiteren besonderen spirituellen Erlebnissen gab es für mich nur mehr eine Frage: was konnte ich für Gott tun? Ich fühlte tiefe Liebe zu ihm. Ich verstand, dass selbst er ohne Liebe nicht vollkommen sein konnte, er könnte seine eigenen Superkräfte ohne sie nicht unter Kontrolle halten. Er hatte sich dafür entschieden, uns Menschen zu erschaffen, in der Hoffnung, dass wir ihn lieben, und wartet besorgt auf unsere Antwort. Wir haben also eine große Verantwortung und unser Leben ist heilig, weil es ein Stück von Gott enthält, diesen Samen der hoffnungsvollen Liebe, die auf einen Input von unserer Seite wartet. Und so schränkt Gott sich bewusst selbst ein, in der Hoffnung, dass wir zusammen glücklich sein werden. 

In meinen Träumen sah ich ihn strahlend und freudig, ich konnte die Ikonen nicht mehr ertragen, wo er mürrisch oder weinend gemalt wurde! Ich sah in ihm das schönste Wesen, auch im physischen Sinn. Ich fing an, den Heiligen Geist zu fühlen, manchmal für einen ganzen Tag, manchmal so intensiv, dass ich mich buchstäblich von Ergriffenheit betäubt fühlte. 

Auch mein Temperament änderte sich: Ich wurde toleranter, friedlicher, fröhlicher, geduldiger und extrovertierter. Trotzdem vermisste ich auch eine Gemeinschaft von Gläubigen.

Bei der Taufe eines seiner Söhne
Daniele Casella bei der Taufe eines seiner Söhne.

Ein neues Land und eine Kirche

Als Junge hatte ich einen fantastischen Film über die Amish gesehen, sie waren Brüder des Glaubens, die sich auch gegenseitig beim Aufbau ihrer Häuser halfen. Ich hatte auch das Bedürfnis, an einem Ort mit deutscher Kultur zu leben, passend zu meinem Charakter (also weniger kompromissbereit). Ich hätte auch gerne zwischen Bergen gelebt. Und dieser Traum vom Auswandern sollte bald Wirklichkeit werden. Und noch mehr. Ende März 2011 entdeckte ich ein unerwartetes Projekt der Europäschen Union im Bereich Energieeffizienz im Baugewerbe (meine Branche!), mit dem Ziel, unternehmerische Aktivitäten im Triveneto mit Südösterreich zu verbinden. Der Heilige Geist gab mir das Gefühl, nach Klagenfurt zu ziehen. Wir hatten nur zwei Monate Zeit, um eine möblierte Wohnung zu finden, sie zu mieten und dann mit Beginn der Schulferien einzuziehen. Als wir die Reise organisieren konnten, waren die besten Wohnungen nicht mehr verfügbar! Es war nur noch eine übrig, also gingen wir dorthin und unterschrieben. Bei unserer Ankunft kamen unsere Nachbarn, um uns willkommen zu heißen und uns ihre Hilfe anzubieten, falls wir etwas brauchten: „Sie sind Ausländer, Sie kennen hier niemanden, Sie werden sicher Unterstützung brauchen“, sagten sie. Was für nette Leute! Es war die Familie von Benjamin Kaiser, dem Bischof der Kirche Jesu Christi in Kärnten.

Wir haben uns sofort angefreundet und eines Tages fragte ihn meine Frau nach der Adresse der nächsten Pfarre. Die Antwort war etwas verlegen: „Wir wissen es nicht.“ Später sagten sie uns, sie seien gläubige Mitglieder der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Nie gehört! Die Mormonen, wurde mir erklärt. Ah, jetzt verstand ich! Ich hatte es bereits mit den Katholiken, Zeugen Jehovas und Juden probiert, warum nicht auch mit ihnen?

Im Dezember 2011 wurden zwei Missionare zu mir geschickt. Wenn sie sich an meiner Tür selbst vorgestellt hätten, hätte ich sie sicherlich mit Zeugen Jehovas verwechselt und „Nein danke“ gesagt. Doch nun erfuhr ich: Es gibt in dieser Kirche keine Priesterkaste und die Beziehung mit Gott ist direkt. Toll! Eine Kirche mit lebendigem Christus ohne Kruzifixe, Knochen, Leichen, Ängste und Geheimnisse, ein Zuhause für alle, warm, voller Licht, Toleranz und Liebe. Hinzu kommt: Die Gläubigen kritisieren nicht die Fehler der Brüder, sondern versuchen ihnen zu helfen, genau wie die Amish! Die Antwort der Missionare auf meine Frage: „Warum sollte eure Religion besser sein als eine andere?“ war: „Frag nicht uns, sondern frag Gott im Gebet. Frag ihn auch, ob das Buch Mormon wahr ist und er wird dir antworten.“ – Frag, und es wird dir gegeben werden, ich hatte es schon ausprobiert, es war einfach! Ich tat es, und der Heilige Geist war nicht langsam, mir zu antworten. Ich fand in dieser Kirche auch Dinge niedergeschrieben, von denen ich glaubte, dass sie meine ganz persönlichen Ideen wären, das Ergebnis von 25 Jahren Meditation. 

Obwohl ich zuerst nicht allzu erfreut war über das Fasten und Zehntenzahlen (inzwischen habe ich ein Zeugnis darüber erlangt), verstand ich aber: in einer Beziehung von Freundschaft oder Liebe zu Gott ist Geben und Vertrauen wechselseitig! So wurde ich mit 44 Jahren getauft, am 21. April 2012. Am 30. Mai wurde ich zum Priester geweiht: selbst dieser Wunsch von mir, der für einen verheirateten Mann unmöglich gewesen wäre, hat sich erfüllt!