Der Herr weiht uns, wenn wir uns ihm weihen

    Erlebnisse eines Bruders aus Österreich bei den Tagen der offenen Tür im Frankfurt Tempel

    Erlebnisse eines Bruders aus Österreich bei den Tagen der offenen Tür im Frankfurt Tempel Intellectual Reserve
    Viele Menschen besichtigten den Frankfurt Tempel während der Tage der offenen Tür im Herbst 2019. Hier ein Blick in das neu renovierte Brautzimmer

    von Markus Ausobsky, Gemeinde Linz

    Für meine Familie und mich war es eine besondere Gelegenheit, die Tage der offenen Tür im Frankfurt Tempel zu nutzen. Dadurch dass ich viele Jahre im Gebiet des Frankfurt-Friedrichsdorf Tempels gewohnt und auch die ersten Tage der offenen Tür seinerzeit als Jugendlicher Intensiv erlebt hatte, wollte ich unbedingt auch mindestens einen Tag dort als Helfer und Besucher verbringen. So wurde ich am 28. September 2019 am Vormittag und am Abend zum Reinigen eingeteilt. Für den Nachmittag hatten wir ein kleines Familientreffen geplant.
    Bei den Vorbereitungen kam mir aber oft der Gedanke: bin ich wirklich gut vorbereitet? bin ich würdig genug, den Besuchern zu vermitteln, sich nicht nur auf das Gebäude zu konzentrieren? bin ich bereit, auf Besucher einzugehen und wirklich zu spüren, was er Herr mit Ihnen vorhat? Dabei stellte ich bei mir persönlich fest, dass ich, trotzdem ich einen gültigen Tempelschein besaß, noch eine wichtige Sache aus meiner Vergangenheit in Ordnung bringen musste, bevor ich den Tempel besuchte. Ich beriet mich mit meiner Frau, und mit der Hilfe des Herrn fanden wir eine Lösung, die sicher auch ein Opfer und viel Überwindung kostete.
    Präsident Nelson sagte auch bei der letzten Generalkonferenz im Oktober 2019 dazu: „In mancherlei Hinsicht ist es einfacher, einen Tempel aufzubauen, als ein Volk so aufzubauen, dass es für einen Tempel bereit ist. Die Würdigkeit des Einzelnen setzt eine vollständige Bekehrung in den Gedanken und Gefühlen voraus, sodass man mehr wie der Herr wird, ein aufrechter Mitbürger, ein besseres Vorbild und als Mensch noch heiliger.“
    Parallel dazu begannen meine Schwester und meine Cousine, ein Familientreffen für die Tage der offenen Tür zu organisieren, was sich zu Anfang als sehr schwierig darstellte. Doch das Familientreffen gelang tatsächlich! Wir waren zuerst von fünf bis sieben Personen ausgegangen, die sich beim Tempel treffen wollten, aber auch hier spürten wie die Hand des Herrn, so kamen weit über zwanzig Personen zu einer gemeinsamen Tempelbegehung! Ich konnte erleben, dass der Tempel, obwohl er noch nicht geweiht war, für die Besucher deutlich als das Haus des Herrn wahrgenommen wurde. Für uns war das Familientreffen auch ein besonders Ereignis, weil sich 1920, vor fast hundert Jahren, die ersten unserer Vorfahren der Kirche angeschlossen hatten.

    Am Tag, an dem ich im Tempel dienen wollte, stand ich sehr früh auf, um mich durch ein Gebet und einen längeren Spaziergang vorzubereiten. In meinem Gebet bat ich den Himmlischen Vater, mir zu helfen, jederzeit bereit zu sein. Das war um 5.30 Uhr. Dass mir aber der Himmlische Vater so schnell Aufträge geben würde, damit hatte ich nicht gerechnet! Um 5.50 Uhr, es war noch etwas dunkel, sah ich eine junge Frau auf einer Parkbank sitzen, ich sah wie sie nervös auf ihrem Handy tippte, sie war, genauso wie ich, erstaunt, mich um diese Uhrzeit anzutreffen. Ich hatte das Gefühl, dass der Grund, warum sie auf der Bank saß, Liebeskummer bzw. ein Streit sein musste. Ich traf genau den Punkt und sie bat mich noch kurz zu bleiben, bis Ihr Freund zu ihr zurück kam. Das tat ich, beruhigte sie, lud sie ein nicht mehr zu streiten und lud sie zu den Tagen der Offen Tür ein.
    Dann fuhr ich zu den Tagen den offenen Tür und bekam als Ordner oberhalb des Tempels einen Platz zu gewiesen. Besonders hat es mich natürlich gefreut, ein Vielzahl von Schwestern und Brüder dort anzutreffen.

    Besucher bei einer Einführungsveranstaltung im Tempel Intellectual Reserve
    Besucher bei einer Einführungsveranstaltung im Tempel

    Eine Besucherin stellte mir ein paar Fragen zum Tempel. Bei diesem Gespräch stellte sich heraus, dass sie als junges Mädchen in Russland die Kirche kennen gelernt hatte und getauft wurde. Ich spürte, dass sie Fragen hatte in Bezug auf die ewige Familie. Auch ihr Ehemann und zwei Töchter waren dabei und sie meinte, Ihr Ehemann könne damit nicht so viel anfangen. Ich ging also auf den Ehemann zu, nahm ihn in den Arm und sagte: „Ich weiß, dass ist alles recht viel für dich, aber du muss keine Angst haben.“ Wir spürten dabei wirklich den Heiligen Geist und ich meinte: „Ich glaube, deiner Frau bedeutet es sehr viel, eine ewige Familie zu sein.“
    Auch traf ich eine Familie afrikanischer Herkunft, sie kamen aus der Gemeinde Duisburg. Wir führten ein schönes Gespräch und sie stellten mir Ihre Schwiegertochter vor, die nicht aus Afrika stammte. Bei dem Gespräch erfuhr ich, dass die Schwiegertochter kein Mitglied der Kirche war, dass sie vor kurzen in das Gemeindegebiet Essen gezogen waren und dort nicht so viele Mitglieder kannten. Ich meinte, dass meine Mutter aus dieser Gemeinde stamme und dass mein Onkel und meine Tante als treue Mitglieder in der Gemeinde seit Jahrzehnten dienten und sehr hilfsbereit seien. Wir konnten zu ihnen eine Verbindung herstellen.

    Am Nachmittag wurden Schwestern und Brüder unter anderem zum Reinigen und Aufräumen im gesamten Tempelgelände eingeteilt, ich putzte die Toiletten und trotzdem der Tag schon fortgeschritten war, spürte ich von vielen Mitgliedern, die seit vielen Wochen mitgeholfen hatten, kein Nachlassen der Begeisterung. Zum Abschluss gab es dann gegen Mitternacht noch eine besondere Führung mit einer sehr kleinen Gruppe durch den Tempel, das berührte mich so sehr, und ich kann einfach in aller Demut nur noch dem Himmlischen Vater danken, dass die Hand des Meisters uns und mich geführt hat.
    Nach den Tagen der offenen Tür stellte ich mir natürlich ernsthaft die Frage, was der Herr weiter mit uns als Familie vorhat. Den Sonntag darauf erlebte ich eine besondere Abendmahlversammlung in der Gemeinde Wetterau 1. Ein junger Träger des Aaronischen Priestertums, der auf Grund seiner Beeinträchtigung nicht alleine das Abendmahl austeilen konnte, wurde durch einen anderen Träger des Aaronischen Priestertums, der ihm seine Hand sanft auf die Schulter legte, durch die Reihen geführt. Das zeigte mir wieder, dass wir entweder durch die Hand des Meisters geführt werden oder stellvertretend führen dürfen.


    Eigentlich denkt man nach diesen Tagen: es ist Zeit um auszuruhen. Dennoch weiß ich, der Herr ruht nie, und hat immer noch so manches mit uns vor. Mit diesen Gedanken und um noch einmal meine Erlebnisse beim Tempel zu verarbeiten, unternahm ich einen kleinen Spaziergang trotz schlechten Wetters. An derselben Stelle, wo ich einen Tag zuvor die junge Frau getroffen hatte, lief ein Hund auf mich zu und ich fing mit dessen Besitzer ein Gespräch an. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein US-Veteranen handelte, er hatte im Irak und in Afghanistan gedient und dadurch großes seelisches Leid erfahren. Obwohl es wirklich sehr stürmte, konnte ich ihm in meinem gebrochenen Englisch Zeugnis von den Tagen der offen Tür gegeben und ihm sagen, dass für mich der Tempel ein Ort der Versöhnung sei. Er teilte mir daraufhin mit, dass er Tempel unserer Kirche aus den USA kenne.

    Als ich zu meiner Tochter zurückkehrte, hörte ich auf dem Parkplatz vor ihrer Wohnung ein Kind schreien. Ich lief zu dem Auto und sah, wie ein Vater sein Kind tröstete, das sich versehentlich die Hand eingeklemmt hatte. Ich sprach den Mann an und es stellte heraus, dass wir einander aus einer früheren Begegnung kannten. Ich bot Ihm meine Hilfe an. Er meinte, es sei ihm einfach alles zu viel im Leben. Eigentlich war es bald 20 Uhr am Abend und ich war schon ziemlich erschöpft, konnte aber den verzweifelten Mann mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern nicht alleine lassen. In diesem Moment spürte ich wirklich klare Anweisungen vom Heiligen Geist. Ich begleitete die Familie also in ihre Wohnung, wo alles ziemlich chaotisch und unaufgeräumt war. Dort versammelte ich die Familie zu einem Familiengebet, las den Kindern eine Geschichte vor und die Kindern gingen zum Glück friedlich ins Bett. Anschließend führte ich ein Gespräch mit den Eltern. Der Ehemann fragte mich: „Wie werden wir eine ewige Familie?“ Die Zeit war schon vorgeschritten und ich bekam die Eingebung, den Eltern einen Priestertumssegen anzubieten. Dieses Angebot nahmen sie an. Seitdem sind einige Monate vergangen. Ich durfte die Familie noch einmal treffen, die Sisters aus der Gemeinde Hanau durften sie schon belehren, ich habe mehrmals in der Woche Kontakt und sie haben in kleinen Schritten Fortschritte gemacht, weil sie den Anweisungen, die sie durch die Hand des Meisters erfahren haben, gefolgt sind.


    So möchte ich demütig Zeugnis davon geben, dass der Herr uns weiht, wenn wir uns ihm weihen! Trotzdem wir als Familie und vor allem als Ehepaar viele Wunder erleben und dadurch gesegnet werden, sind es die einfachen Dinge, die uns dem Herrn näher bringen und uns seine Hand spüren lassen. Ich möchte daher allen Mut machen, wie schwierig die Umstände auch sein mögen, die Hand des Herrn auf dieses Ziel hin zu ergreifen oder andere auf ihrem Weg mitfühlend zu unterstützen, weil es oft auch eine Zeit dauern kann, zum Tempel zu gelangen. Aber man wird auf dem gemeinsamen Weg dorthin eine Vielzahl von Segnungen erleben.