Das 'Wunder der Begegnung'

Ein Bruder aus Linz erlebt, wie der heilige Geist ihm Menschen über den Weg führt, denen er Trost spenden kann.

Beim Spazierengehen mit dem Hund oder an unterschiedlichsten Plätzen kann uns der Heilige Geist dazu inspirieren mit Personen, denen man in seinem Leben bisher nie begegnet ist, ein gemeinsames Gebet zu sprechen oder ihnen kraft des Priestertums Trost zu spenden.
Beim Spazierengehen mit dem Hund oder an unterschiedlichsten Plätzen kann uns der Heilige Geist dazu inspirieren mit Personen, denen man in seinem Leben bisher nie begegnet ist, ein gemeinsames Gebet zu sprechen oder ihnen kraft des Priestertums Trost zu spenden.

von Markus Ausobsky, Gemeinde Linz

 

Fast täglich begegnen wir Menschen, mit denen sich gute Gespräche ergeben. So ein Gespräch muss nicht lang sein, es muss auch nicht um unser Lieblingsthema kreisen, sondern es kann für uns allein dadurch zum heiligen Erlebnis werden, dass wir echtes Interesse an einem Menschen haben und er an uns. Für viele ist es ein bloßer „Zufall“, wenn sie in ihrem Arbeitsumfeld, in der Nachbarschaft, vor dem Supermarkt, mit der Familie oder wenn sie mit dem Hund spazieren gehen, jemanden treffen, den ihnen gerade in dem Moment „der Himmel geschickt hat“. Für mich sind es kleine Wunder und Fügungen des Herrn. Aus „zufälligen“ Begegnungen haben sich in meinem Leben mittlerweile viele gute Bekanntschaften und echte Freundschaften entwickelt. Ich habe bemerkt, dass sich fast jeder, mit dem ich ein paar Worte wechsle, mit einem Problem herumschlägt. Ebenso habe ich erlebt, dass jeder von diesen Menschen mir persönlich viel gegeben und mein Leben bereichert hat.

Obwohl meine tägliche persönliche Frage an den Himmlischen Vater lautet: „Wo kannst du mich brauchen?“, bin ich immer wieder erstaunt und es macht mich demütig, welche einfachen und besonderen Begegnungen der Himmlische Vater mir zuweist.


'Immer wieder zeigt mir der Himmlische Vater dann auch, wie Er selbst seine Kinder sieht. Und dieser Blick ist mehr als unser menschliches Auge wahrzunehmen vermag.'


Vor einigen Wochen verstarb ein langjähriger Freund nach schwerer, leidvoller Krankheit. Ich hatte das Vorrecht die Traueransprache zu halten und hatte mich viele Stunden damit beschäftigt. Zuletzt hatte ich so viele Gedanken zum Thema Tod und Auferstehung gesammelt, dass ich mich fragte, wie ich das alles nur in einer 10-minütigen Ansprache unterbringen sollte. Doch der Herr wusste davon und verhalf mir vor und nach dem Begräbnis meines Freundes zu mehreren völlig ungeplanten Begegnungen mit Menschen, mit denen ich gemeinsam trauern konnte. Wir haben geredet, einander zugehört und einige Male auch gemeinsam gebetet.

Von diesen Begegnungen möchte ich zwei erwähnen. Auf meinem Spaziergang mit unserem Hund kam ich mit einem Ehepaar ins Gespräch, das seinen Sohn verloren hatte. Die Frau sagte: „Für eine Mutter, die ihren Sohn verloren hat, gibt es keinen Trost.“ Ich konnte dieser lieben Frau vom Evangelium Jesu Christi erzählen und davon Zeugnis geben, dass sie ihren Sohn in der jenseitigen Welt wiedersehen wird. Ich spürte, dass nicht nur im Herzen dieser Frau, sondern auch bei ihrem Ehemann etwas aufgebrochen war! So waren sich auf einmal bereit sich trösten zu lassen.

Bruder Ausobsky erzählt von der Freude, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Intellectual Reserve
Bruder Ausobsky erzählt von der Freude, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Eine weitere Begegnung ereignete sich völlig unerwartet an einem Lebensmittelmarkt in Graz nach einem für mich anstrengenden Arbeitstag. Neben mir lud eine schwarz gekleidete Frau einige Getränke in ihren Wagen, ich fragte, ob sie Hilfe benötigt? Irgendwie kamen wir in ein Gespräch und sie erzählte mir, dass vor wenigen Tagen ihr Ehemann nach schwerer Krankheit verstorben sei. Sie war Mutter von drei Kindern. Auch hier entwickelte sich ein besonderes heiliges Gespräch. Es war für mich dabei deutlich spürbar, dass der Herr mich in den Wochen davor besonders auf diesen Augenblick vorbereitet hatte. Dadurch spürten wir nicht nur den Trost durch den Heiligen Geist, sondern auch die Liebe dessen, der ihn gesandt hat.

So erlebe ich persönlich es als eines der größten Wunder in meinem Leben, durch den Einfluss und die Gabe des Heiligen Geistes solche Begegnungen zu haben. Nach vielen dieser besonderen Begegnungen spüre ich dennoch wie wichtig es ist besser vorbereitet zu sein. Immer wieder zeigt mir der Himmlische Vater dann auch, wie Er selbst seine Kinder sieht. Und dieser Blick ist mehr als unser menschliches Auge wahrzunehmen vermag. Der aufrichtige Wunsch im Leben würdig zu sein und sich von dem zu lösen, was den Heiligen Geist betrübt, ist ein unweigerliches Werkzeug, das uns befähigt, Seine Hände zu sein. Einerseits hat er uns mit Vollmacht und heiligen Bündnissen ausgestattet, um diesen Dienst zu tun, andererseits sendet uns der Himmlische Vater unterschiedlichste Personen in unser Leben, unterschiedlich in Rasse, Aussehen und Ansehen.

Durch die einfachen und meist auch spontanen Begegnungen mit seinen Kindern lerne ich ihre „geistige Abstammung“ von unserem Himmlischen Vater zu sehen. Es hilft mir Gott noch besser kennenzulernen und mich dadurch mit jedem seiner Kinder verbunden zu fühlen. Die Gabe des Heiligen Geistes und die Vollmacht des Priestertums schließen aus meiner Sicht den klaren Auftrag zu handeln mit ein. In meinem Leben half mir der Himmlische Vater mit der Zeit das geistige Selbstbewusstsein zu entwicklen, diesem Auftrag des Heiligen Geistes zu folgen.

In der letzten Generalkonferenz wurde unter anderem von Präsident Nelson und Elder Rasband betont und bestätigt, dass der Himmlische Vater uns durch Wunder seine Liebe und Macht zeigt. Auch bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2017 hat Elder Ronald A. Rasband darüber gesprochen, wie es ist, „Wenn der Heilige Geist uns führt“. Er sagte: „Der Heilige Geist bindet uns an den Herrn. Auf Gottes Geheiß inspiriert er uns, gibt uns Zeugnis, belehrt uns und gibt uns ein, im Licht des Herrn zu wandeln. Wir haben die heilige Aufgabe, zu lernen, wie man seinen Einfluss im Leben erkennt und sich danach richtet“, wobei es wichtig sei, „stets nach der ersten Eingebung (zu) handeln“. Denn: „Bei der ersten Eingebung handelt es sich um reine Inspiration vom Himmel. Wenn sie uns etwas bestätigt oder bezeugt, müssen wir sie als das erkennen, was sie ist, und dürfen sie nicht an uns vorüberziehen lassen. Ganz oft handelt es sich um den Geist, der uns inspiriert, uns um jemanden zu kümmern, der Hilfe braucht, besonders um Angehörige oder Freunde. So flüstert die leise, sanfte Stimme durch alles und durchdringt alles, macht uns auf Gelegenheiten aufmerksam, das Evangelium zu lehren, Zeugnis für die Wiederherstellung und für Jesus Christus zu geben, Unterstützung zu leisten und Anteil zu nehmen oder eines von Gottes kostbaren Kindern zu retten.“

Dass diese Worte wahr sind, bezeuge ich demütig im Namen Jesu Christi, amen.