„Sei demütig, anzunehmen und zu lernen“

Ein Heiliger der Letzten Tage pilgert gemeinsam mit katholischen Freunden

Ein Heiliger der Letzten Tage pilgerte mit katholischen Freunden nach Maria Schmölln Ausobsky
Der Gedanke, „mit den Füßen zu beten“, inspirierte einen Bruder aus der Gemeinde Linz und brachte Menschen aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften einander näher.

Markus Ausobsky, Gemeinde Linz

Auf Einladung eines Freundes nahm ich vom 15. auf 16. Mai 2020 erstmals an der traditionellen Wallfahrt von Aichkirchen nach Maria Schmolln in Oberösterreich teil. Ich wurde als Nicht-Katholik äußerst freundlich aufgenommen und meine Begleiter sind mir, auch nachdem ich mich als Heiliger der Letzten Tage „geoutet“ hatte, überaus respektvoll und liebenswürdig begegnet. Vor Antritt des 60 Kilometer langen Fußmarsches beriet ich mich mit dem Himmlischen Vater und fragte ihn, wie ich mich darauf vorbereiten und wie ich mich den anderen Pilgern gegenüber verhalten sollte. Folgendes kam mir persönlich in den Sinn: „Höre auf das, was dir der Heilige Geist eingibt. Hör den Menschen aufrichtig zu, suche nicht nach Fehlern bei der Gastgeberreligion, verurteile nicht, im Gegenteil, sei demütig genug, anzunehmen und zu lernen.“

Mit dieser Offenheit, gemeinsam lernen zu wollen, entwickelte sich eine Vielzahl von wertvollen Gesprächen, und so wurde ich auf eine ganz natürliche Weise durch den Heiligen Geist geführt. Wir tauschten tatsächlich unsere Zeugnisse und persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben an den Erlöser Jesus Christus aus.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach ein Katholischer Geistlicher sehr inspirierende Worte, die mich beim Gehen begleiteten. Er sagte: „Wallfahrt bedeute mit den Füßen beten“. Der Geistliche forderte Menschen, die im Leben unter besonderen Herausforderungen stehen, auf, darüber nachzudenken, wofür sie Gott danken können und auch daran zu denken, dass am 15. Mai 1955, also vor 75 Jahren, Österreich seine Freiheit wiedererlangt hat.

Den Gedanken, mit den Füßen zu beten, empfand ich als sehr treffend, doch ich dachte auch an die staatliche Anerkennung der Kirche Jesu Christi der Heilgen der Letzten Tage, die ebenfalls im Jahr 1955 erfolgte, und fühlte mich als Mitglied unserer Kirche nicht nur staatlich, sondern auch emotional und zwischenmenschlich „anerkannt“. 

Beim Pilgern erkannte ich auch, dass unsere Umgebung sieht und spürt, wenn wir den heiligen Geist, wie verheißen, mit uns haben. Wir stellen dabei fest, dass sich uns ein göttlicher Blickwinkel öffnet, der uns sehr schnell das Potential eines jeden Menschen erkennen lässt, wir sehen eine Person mit anderen als bloß unseren menschlichen Augen. Ich glaube, das wird oft unterschätzt. Ohne die Begleitung des Heiligen Geistes sind wir mitunter kritisch oder mit Vorurteilen belastet.

Ich dachte auch an die schwierigen Situationen, die Jesus Christus nach seiner Taufe in der Wüste bestehen musste, und doch wurde er vom Geist dorthin geführt, damit er danach umso mehr „von der Kraft des Geistes“ erfüllt werden konnte (Lukas 4:1 und 14). Ich möchte davon Zeugnis geben: Wenn wir uns vom Heiligen Geist führen lassen, erhalten auch wir Kraft. Unser großer Meister Jesus Christus ist uns darin ein Vorbild, weil er uns einfach kennt und unbegrenzt liebt. (RHS)